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Unsere Zunge, das Muskelpaket!

UNSERE ZUNGE, DAS MUSKELPAKET

Unsere Zunge ist ein länglicher, von Schleimhaut überzogener Muskelkörper, der aus neun einzelnen Muskeln besteht. Sie übernimmt unterschiedlichste Aufgaben für uns: Allem voran dient die Zunge zur Bewegung unserer Nahrung im Mund. Lassen wir uns morgens wie selbstverständlich ein leckeres Butterbrot schmecken, während wir parallel einen Schluck Kaffee nehmen und eine kurze Unterhaltung mit unserem Gegenüber führen, stellt das Höchstleistungen für unsere Zunge dar: In Zusammenarbeit mit Kaumuskulatur, Wangen, Kinn, Gaumen und Lippen schiebt sie beim Kauen unser Butterbrot immer wieder zwischen die Zähne, während es mit Speichel vermengt wird. Auch beim Schluckakt selbst ist sie der Hauptakteur: Nachdem die fertig gekaute Nahrung auf der Zunge gesammelt wurde, legt sich die Zungenspitze hinter den oberen Schneidezähnen an, ohne die Zähne zu berühren. Anschließend folgt eine Wellenbewegung: der Mittelteil der Zunge wird nach oben an den Gaumen gesaugt, der hintere Teil gegen den weichen Gaumen gedrückt. Dadurch wird der Schluck-Reflex ausgelöst und unser Butterbrot in den Rachen bzw. die Speiseröhre transportiert.

Auch für das Sprechen und unsere Artikulation ist die Zunge natürlich unverzichtbar. Nahezu alle unsere Laute fordern ein komplexes und genaues Zusammenspiel aus Wangen-, Lippen- und Zungenmuskulatur, das über Jahre erlernt und automatisiert werden muss.

Beeinträchtigung der Zungenfunktion

Die Funktionen der Zunge können auf unterschiedlichste Art und Weise beeinträchtigt sein. Bei einer myofunktionellen Störung handelt es sich um eine Störung der Muskulatur im Mund- und Gesichtsbereich. Betroffen sind die Bewegungs- und Koordinationsabläufe sowie das muskuläre Gleichgewicht aller am Schlucken beteiligten Strukturen (Wangen-, Lippen- und Zungenmuskulatur). Anzeichen sind beispielsweise ein inkompletter Mundschluss, Mundatmung, vermehrter Speichelfluss, sensorische und motorische Defizite der Zunge (eingeschränkte Zungenbeweglichkeit) oder eine unphysiologische Zungenruhelage bei insgesamt unausgeglichener Muskelbalance im Mund-, Gesichts- und Halsbereich.

Ursachen und Folgen myofunktioneller Störungen

Ebenso unterschiedlich sind die Ursachen für eine myofunktionelle Störung: zu weiche Nahrung im Säuglingsalter regt die orofaziale Muskulatur nicht genügend an, zu langes Daumen- oder Schnullerlutschen kann den Biss öffnen, eine ungünstige Zahn- und Kieferstellung sowie ein zu kurzes/ angewachsenes Zungenbändchen oder auch eine behinderte Nasenatmung (z.B. durch Polypen oder häufige Infekte) können eine Veränderung der Myofunktion nach sich ziehen.

Mögliche Folgen einer nicht behandelten funktionellen orofazialen Störung sind eine gestörte Kau-, Beiß- und Schluckentwicklung, "verwaschene" und/ oder "feuchte" Aussprache sowie Artikulationsstörungen, die oft die Zischlaute ("sch" und "s") betreffen (Schetismus/ Sigmatismus).

Der permanente Zungenstoß gegen die Zähne beim Schlucken kann zu Zahn- und Kieferfehlstellungen führen.

Myofunktionelle Therapie in der logopädischen Praxis

In der Logopädie wird dieser Symptomatik durch gezieltes myofunktionelles Training, also Übungen zur Kräftigung und Stärkung der Zungen-, Wangen- und Lippenmuskulatur und Verbesserung der Koordination und Sensibilität, entgegen gewirkt. Auch das korrekte Schluckmuster wird gemeinsam erarbeitet, trainiert und in den Alltag übertragen. Ein Rezept für eine solche Behandlung kann sowohl vom Haus- als auch vom Zahnarzt oder Kieferorthopäden ausgestellt werden.