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Definitionen

Aphasie

Eine Aphasie ist eine erworbene zentrale Sprachstörung, die durch Schädigung des Gehirns hervorgerufen wird. Alle Bereiche und Modalitäten der Sprache können in unterschiedlichem Ausmaß beeinträchtigt sein: die Lautstruktur (Phonologie), der Wortschatz (Lexikon), die Bedeutung (Semantik) und der Satzbau (Syntax). Sowohl die rezeptiven (Sprachverständnis) als auch die expressiven (Sprachproduktion) Fähigkeiten können betroffen sein. Somit können das Sprechen und Verstehen der Lautsprache oder auch das Lesen und Verstehen geschriebener Sprache erschwert und - je nach Schweregrad der Beeinträchtigung - sogar kaum noch möglich sein. Diese zumeist plötzlich auftretenden sprachlichen Defizite haben häufig weitreichende und teilweise lang andauernde Folgen für das familiäre, soziale und berufliche Leben der Betroffenen und Angehörigen. Bei einer flüssigen Aphasie ist der Sprachfluss normal, es kommt aber zu Störungen beim Sprachverständnis und/ oder beim Nachsprechen von Wörtern, Satzteilen oder Sätzen, die von anderen gesprochen werden. Bei einer nicht-flüssigen Aphasie ist meist das Sprachverständnis besser erhalten, expressive Sprachleistungen hingegen weisen stärkere Störungen auf.

Es gibt insgesamt vier Aphasiearten:

Globale Aphasie: Schwerste Beeinträchtigung mit Sprachautomatismen (z.B. immer wiederkehrende Silbenfolgen wie "de de de", Wörter oder Floskeln, die nicht in den Gesprächskontext passen) und stark eingeschränktem Sprachfluss. Die Kommunikation ist schwer bis sehr schwer beeinträchtigt.

Wernicke-Aphasie: Diese ist geprägt von Satzverschränkungen und Satzteilverdopplungen (Paragrammatismus, z.B. "Verstehen Sie mich gut verstanden?") sowie Paraphasien und Jargon (z.B. "ja das wird ein anderer Mitfahrer zum Grauen war das äh ein Mitteiler zum euch also ein wirklich Blauer oh" als Antwort auf die Frage "Warum sind Sie zu uns in die Klinik gekommen?"). Die Sprachmelodie ist unauffällig, der Sprachfluss ist häufig überschießend. Die Eigenwahrnehmung für diese sprachlichen Defizite ist oft eingeschränkt und die Kommunikation mittelschwer bis schwer beeinträchtigt.

Broca-Aphasie: Sie ist geprägt durch agrammatische Sprache (Telegrammstil, z.B "Auf dem Bild eine Frau äh zwei Kinder es ist ein Junge und ein Mädchen äh in der Küche äh die Frau Teller waschen und äh sind gerade das Wasser über den Rand äh sprudeln."). Der Sprachfluss ist eingeschränkt und die Kommunikation mittelgradig bis schwer beeinträchtigt.

Amnestische Aphasie: Sie tritt vor allem mit Wortfindungsstörungen auf. Der Sprachfluss erscheint unauffällig, jedoch zeigen sich Suchverhalten und Satzabbrüche, wobei die Kommunikation leicht bis mittelgradig gestört ist.

Als Syndromuntergruppe der vier Aphasieeinteilungen gelten die Transkortikale Aphasie und die Leitungsaphasie. Sie weisen einige Besonderheiten zu den Hauptgruppen auf.

Informationen für Betroffene, Angehörige und Interessierte sowie Adressen finden Sie u. a. beim Integrationszentrum für Aphasiker e.V. IZA

Artikulationsstörung

Artikulationsstörungen sind Abweichungen bei der Aussprache. Diese betreffen die Laute bzw. Lautverbindungen aufgrund von sprechmotorischen Problemen. Bei Artikulationsstörungen entspricht die Lautbildung eines oder mehrerer Laute nicht dem sogenannten "Standardmuster" einer Sprache, d.h. ein Laut wird nicht oder falsch gebildet (zum Beispiel wird "Ritter" zu "Litter").
Wenn die Artikulation zusätzlich durch sprechmotorische Abweichungen anderer Laute verändert wird oder auch insgesamt eine Tendenz zu einer eher unpräzisen Aussprache ("Nuscheln") besteht, können die Artikulationsstörungen zu einer Einschränkung der Verständlichkeit führen und damit die verbale Kommunikation beeinträchtigen.

Auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung

Auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörungen (AVWS) sind Störungen der Weiterverarbeitung gehörter Informationen.
Dabei liegt weder eine Störung des Hörorgans selbst noch eine Intelligenzminderung vor. Die Störungen betreffen den Hörnerven. Im gesunden Vorgang leitet der Hörnerv die Informationen an das Großhirn, die dann dort weiter verarbeitet werden. Der Prozess der Weiterverarbeitung wird in auditive Teilfunktionen unterteilt, die in unterschiedlicher Art und Ausprägung betroffen sein können. Zu den auditiven Teilfunktionen gehören: Lokalisation (Richtung und Entfernung der Schallquelle), Diskrimination (Unterscheiden), Selektion (Herausfiltern) und Dichotisches Hören (beidohriges Hören).

Dysarthrie

Bei einer Dysarthrie sind die Steuerung und die Ausführung von Sprechbewegungen betroffen. Die Sprechmotorik, Sprechmelodie (Prosodie), Sprechrhythmus, Stimme und Atmung sind in unterschiedlichem Ausmaß beeinträchtigt. Diese Störung ist eine erworbene neurogene Sprechstörung, die durch eine Schädigung des zentralen oder des peripheren Nervensystems verursacht wurde. Die schwerste Form der Dysarthrie ist die Anarthrie, hier sind die Patienten nicht mehr in der Lage Laute zu bilden, d. h. sie sind für ihre Umgebung nicht mehr zu verstehen.

Dysarthrophonie

Dysarthrophonie bedeutet wörtlich, dass sowohl die Aussprache (Artikulation) als auch die Stimme (Phonation) betroffen ist.

Der Begriff Dysarthrophonie wird oft gleichbedeutend mit dem Begriff Dysarthrie verwendet. Menschen, die ausschließlich unter einer Dysarthrie leiden, haben keine Sprachstörung. Das heißt, dass sie normal verstehen, schreiben und lesen können. Dysarthrien können auch gleichzeitig mit einer Aphasie (Sprachstörung) auftreten, dann sind neben der Sprechmotorik, der Stimme und der Atmung auch die Bereiche Sprachverständnis und Sprachproduktion betroffen.

Dysphagie

Schluckstörungen (Dysphagien) treten durch organisch-neurologische Ursachen auf. Sie äußern sich durch sehr unterschiedliche Symptome oder Beeinträchtigungen und sind deswegen nicht immer sofort als Störung zu erkennen. Die nachfolgenden Beeinträchtigungen geben Hinweise auf eine Schluckstörung:

  • Lähmungen im Lippen-, Zungen- und Wangenbereich, der Betroffene hat ein "schiefes" Gesicht oder ein Mundwinkel hängt herab. Es läuft Speichel oder Nahrung aus dem Mundwinkel, der Speichel kann teilweise nicht mehr oder schwerer abgeschluckt werden.

  • Nahrungsmittel, die vorher ohne Probleme geschluckt wurden, bereiten plötzlich Schwierigkeiten. Die Nahrung kann nicht mehr mit der Zunge transportiert werden, die Betroffenen haben das Gefühl, das Essen bliebe im Hals stecken, die Nahrungs- und Trinkmenge hat sich insgesamt vermindert.

  • Häufig kommt es zu Verschlucken und Husten während oder direkt nach dem Essen oder sogar zu Erstickungsanfällen. Manchmal spüren die Betroffenen die Nahrung auch nicht mehr gut im Mund und bemerken so z. B. verbleibende Reste im Mundraum nicht, die potenziell zu einem vermehrten Verschlucken führen.

  • Generell kommt es bei häufigem Verschlucken zu einer erhöhten Aspirationsgefahr (Einatmung von Speichel, Nahrung, Flüssigkeiten). Aspirationen können lebensbedrohlich werden.

  • Auch wiederholt auftretende unklare Fieberschübe und/ oder Lungenentzündungen (ggf. Aspirationspneumonien) können Hinweis auf eine Dysphagie sein.

  • Weitere Symptome sind: Schmerzen beim Schlucken, Haltungsänderungen ("Kopfvorschub"), plötzliche unklare Gewichtsabnahme, Vermeidung von öffentlichen "Essanlässen".

Generell gilt, dass bei jeglichen auftretenden Problemen bzgl. der Nahrungsaufnahme oder bei einer bereits bekannten verursachenden Grunderkrankung eine Schluckstörung ursächlich sein kann. Es sollte auf jeden Fall ärztlicher Rat eingeholt werden.

 

Funktionelle Schluckstörungen

Im Rahmen einer funktionellen Schluckstörung im Erwachsenenalter können mehrere Symptome auftreten:

  • inkompletter Mundschluss/ Mundatmung

  • auffällige Lippen-/ Zungenstruktur

  • unphysiologische Zungenruhelage und Vorverlagerung der Zunge beim Schlucken bei insgesamt unausgeglichener Muskelbalance im Mund-, Gesichts- und Halsbereich

Es können sich Zähneknirschen, Zahnimpressionen, Entzündungen des Zahnfleischs/ Zahnbetts, Kiefergelenkspathologien und ein Schmerzfunktionssyndrom zeigen. Begleitend können Artikulationsstörungen (häufig das "s" und "sch" betreffend) sowie Zahn- und Kieferfehlstellungen auftreten.

Dysphonie (funktionell) - funktionelle Stimmstörung

Kennzeichen ist hier eine Veränderung des Stimmklangs und Einschränkungen der Stimmleistungsfähigkeit, ohne dass erkennbare organische Veränderungen vorliegen. Das Schwingungs- und Schließungsverhalten der Stimmlippen (Stimmbänder) ist gestört. Die Heiserkeit ist das hörbare Merkmal einer Stimmstörung. Sie kann entweder durch erhöhte Spannung (Hyperfunktion) und/ oder zu wenig Spannung (Hypofunktion) entstehen.

Bei einer Hyperfunktion klingt die Stimme heiser, rau, gepresst und angestrengt. Die Stimmlage ist meist erhöht, der Stimmumfang eingeschränkt. Es können Schmerzen und/ oder Missempfindungen wie Kloßgefühl, Trockenheit und Räusperzwang auftreten. Als Begleiterscheinungen kommt es zu Fehlhaltungen, gestörter Atmung, erhöhtem Sprechtempo und undeutlicher Artikulation.

Eine Hypofunktion dagegen zeichnet sich durch behauchten, kraftlosen Stimmklang aus mit eher flacher Atmung und herabgesetzter Muskelspannung. Hyperfunktionelle Komponenten können auf Dauer zu organischen Veränderungen (Stimmknötchen) oder zu Stimmermüdung führen. Wenn Menschen mit hypofunktioneller Stimmgebung in z.B. Sprecherberufen hoher Stimmbelastung ausgesetzt sind, können sie in Folge zur Überwindung der Kraftlosigkeit mit zu viel Spannung und Stimmanstrengung sprechen und somit eine Hyperfunktion entwickeln. Meist liegt jedoch eine gemischte Symptomatik vor. Auch organische Stimmstörungen (z.B. Stimmlippenlähmungen, Entzündungen) können im Verlauf funktionelle Stimmstörungen mit sich bringen. Wenn hauptsächlich das Singen beeinträchtigt ist, wird dies als Dysodie bezeichnet.

Dysphonie (organisch) - organisch bedingte Stimmstörung

Bei diesen Stimmstörungen ist die Stimmerzeugung durch pathologisch-anatomische Veränderungen im Bereich des Kehlkopfs beeinträchtigt. Erstes Symptom ist meist eine Veränderung des Stimmklangs. Die Stimme klingt häufig heiser, rau, doppeltönig (diplophon) und/ oder wird tiefer oder höher. Im ausgeprägtesten Fall ist keine Stimmbildung mehr möglich. Es kommt auch zu Missempfindungen im Bereich des Kehlkopfs, zu Räusperzwang, zum Hustenreiz beim Schlucken oder Verschlucken. Ursache kann eine Lähmung des Nervs (Recurrensparese) sein, der die Stimmbänder versorgt; diese Komplikation kann z. B. bei einer Schilddrüsen-Operation auftreten.

Dysphonie (psychogen) - psychogene Stimmstörung

Diese sind bedingt durch psychosomatische oder auch psychosoziale Einflüsse, d.h. die Stimmprobleme sind hier nicht Ausdruck einer hohen Stimmbelastung sondern gehen auf Stressfaktoren zurück. In der Phoniatrie (Stimmheilkunde) wird zwischen einer psychogenen Aphonie und einer psychogenen Dysphonie unterschieden.

Heilmittelverordnung (Stand Januar 2017)

Der Arzt verordnet Ihnen logopädische Behandlungen. Welches Formular ausgestellt wird, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Zum einen ist es abhängig davon wie Sie versichert sind (gesetzlich oder privat), zum anderen davon welches Fachgebiet der ausstellende Arzt hat.

  • Wenn Sie gesetzlich versichert sind, erhalten Sie entweder das Muster 14 oder das Muster 16
  • wenn Sie privat versichert sind erhalten Sie entweder ein Privatrezept oder die Formulare, die auch für gesetzlich Versicherte gelten 
Verordnung vom Zahnarzt oder Kieferorthopäden
Verordnung z.B. vom HNO-Arzt, Kinderarzt, Neurologen etc.
Verordnung für Privatpatienten

Hörstörung im Erwachsenenalter

Hörstörungen sind Beeinträchtigungen der Hörleistung durch Tinnitus, leichter bis starker Schwerhörigkeit oder Gehörlosigkeit.

Eine Hörstörung wird subjektiv erst relativ spät wahrgenommen, da ein Hörverlust in der Regel eher schleichend verläuft.
Beispielweise führt eine lärmbedingte Dauerschädigung des Innenohrs dazu, dass zunächst eine Art Ohrsausen (Tinnitus) einsetzt und/ oder sich das Hören vorübergehend verschlechtert, deutlich erkennbar daran, dass der Betroffene sich anstrengen muss, um Sprache zu verstehen.

Taubheit (starke Schwerhörigkeit oder Gehörlosigkeit) kann angeboren oder erworben sein. Bei Taubheit bedingt durch Lärmbelastung kann eine allmähliche Verschlechterung des Hörens beobachtet werden: zuerst können die hohen Töne oberhalb der Sprachfrequenzen (z.B. Vogelgezwitscher) nicht mehr gehört werden, dann beginnt der Abbau für die Wahrnehmung von stimmlosen (z.B. /p/ oder /t/), dann stimmhaften (z.B. /b/ oder /d/) Konsonanten, ganz zum Schluß können keine Vokale mehr unterschieden werden.

Bei dauerhaft kräftiger Geräuscheinwirkung entsteht eine sogenannte Lärmschwerhörigkeit. Im fortgeschrittenen Stadium verstehen Menschen nichts mehr und können nicht mehr mitreden, was die gesellschaftliche Isolation zur Folge haben kann.
Generell unterscheidet man leichte (< 30 dB), mittlere (30-60 dB) und hochgradige Hörstörungen (> 60 dB). Ein Kind wird bereits dann als hörgestört bezeichnet, wenn es im Hauptsprachbereich (zwischen 250–4000 Hz) einen Hörverlust über 20 dB aufweist.

Hörstörung im Kindesalter

Im Kindesalter spricht man generell von einer Hörstörung, wenn ein Kind im Hauptsprachbereich (zwischen 250-4000 Hz) einen Hörverlust größer als 20 db aufweist.

Es können bei Kindern Schallleitungsschwerhörigkeiten und Schallempfindungsschwerhörigkeiten unterschiedlichen Schweregrades sowie zentrale Hörverarbeitungs- und Wahrnehmungsstörungen auftreten.
Hörstörungen werden in geringgradige (bis 20-40 db Hörverlust), mittelgradige (bis 40-60 db Hörverlust) und hochgradige Schwerhörigkeiten (60-90 db) unterteilt (Probst, 2008). Resthörigkeit besteht bei einem Hörverlust von 90 db, wenn z.B. noch eine Hörwahrnehmung für sehr tieffrequente Signale möglich ist. Ab einem Hörverlust von 100 db spricht man von Gehörlosigkeit.

Schallleitungsschwerhörigkeiten werden als Störung der Schallübertragung im äußeren Gehörgang und/ oder Mittelohr definiert. Der Höreindruck ist mehr oder weniger stark gedämpft. Vorübergehende Schallleitungsstörungen aufgrund von Tubenfunktionsstörungen, Paukenergüssen und Mittelohrentzündungen treten im Kindesalter häufig auf und können die Sprachentwicklung ungünstig beeinflussen.
Dauerhafte Schallleitungsstörungen aufgrund von Fehlbildungen des äußeren Ohres sind mit 5% aller kindlichen Hörstörungen relativ selten (Leitlinien der DGPP, 2005).

Schallempfindungsschwerhörigkeiten sind bedingt durch eine Schädigung des Innenohres oder des Hörnerven aufgrund von Vererbung oder bestimmter Erkrankungen. Bei Kindern ist bei einer Schallempfindungsschwerhörigkeit - anders als bei Erwachsenen - meist das Hörvermögen über alle Frequenzen des Hauptsprachbereichs betroffen. Der Höreindruck ist nicht nur gedämpft sondern auch in seiner Qualität verändert, z.B. verzerrt.

Beide Arten von Hörstörungen kommen im Kindesalter auch im Zusammenhang mit syndromalen Erkrankungen wie Downsyndrom, Turnersyndrom oder Ushersyndrom vor.
Bei Vorliegen einer auditiven Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung (AVWS) zeigen die Kinder keine Auffälligkeiten in einem Tonschwellenaudiogramm, dennoch fällt auf, dass sie scheinbar nicht richtig zuhören können. Oft entstehen dann im Schulalter Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben.

Kindliche verbale Entwicklungsdyspraxie

Das Hauptsymptom der kindlichen verbalen Entwicklungsdyspraxie ist die gestörte Planung von Sprechbewegungen (vergleichbar mit einer Sprechapraxie). Schon früh zeigen betroffene Säuglinge/ Kinder Probleme bei der Nahrungsaufnahme, d.h. sie verschlucken sich häufig (husten), weil der Ablauf von Saugen - Schlucken - Atmen beeinträchtigt ist. Beim Übergang von breiiger zu fester Nahrung wird viel Speichel produziert. Auch kann zuweilen beobachtet werden, dass die Kinder grobmotorisch ungeschickt sind, d.h. sie neigen zu häufigem Stolpern. Die Sprachentwicklung dieser Kinder ist dadurch gekennzeichnet, dass sie nur wenige Lall-Laute produzieren. In den ersten Lautproduktionen fehlen die Konsonanten, sie produzieren eine Art "Vokalsprache" (z.B. "aaaoooo"). Sie werden auch als "stille Babys" bezeichnet und haben einen verspäteten Sprechbeginn ("Late Talker").

Late Talker

Als Late Talker werden Kinder mit einem verspäteten Sprechbeginn bezeichnet.
Ein verspäteter Sprechbeginn liegt vor, wenn Kinder im Alter von 24 Monaten weniger als 50 Wörter sprechen und keine Zweiwortsätze bilden. Late Talker entwickeln sich in den anderen Entwicklungsbereichen altersentsprechend. Es besteht nur eine etwa 50%ige Chance, die Defizite selbständig aufzuholen. Die Symptome einer langfristigen und anhaltenden Sprachentwicklungsstörung müssen zeitnah und frühstmöglich therapeutisch behandelt werden. 

Mutationsstimmstörung

Während der Pubertät wächst durch Hormonveränderungen auch der Kehlkopf und die Stimme vertieft sich. Vor allem bei Jungen kann es in dieser Zeit zu Heiserkeit, Rauigkeit, Leistungseinschränkungen und unkontrolliertem Wechseln zwischen männlicher und kindlicher Stimmlage kommen.
Wird die Stimmlage nicht den neuen anatomischen Verhältnissen angepasst und die Kinderstimme beibehalten, entsteht eine "Mutationsstimmstörung". Die Stimme klingt sehr hoch, der Stimmumfang ist stark eingeschränkt. Bei längerem Gebrauch klingt die Stimme heiser, rau, angestrengt und wenig belastbar.
Der Kehlkopf wächst auch nach dem Stimmbruch noch weiter und erst mit Mitte 20 ist die männliche Stimme voll entwickelt.

Myofunktionelle Störung (Mundmotorische Störung)

Bei einer mundmotorischen (funktionellen orofazialen) Störung handelt es sich um eine Störung der Muskulatur im Mund- und Gesichtsbereich. Betroffen sind die Bewegungs- und Koordinationsabläufe sowie das muskuläre Gleichgewicht aller am Schlucken beteiligten Strukturen (Wangen-, Lippen- und Zungenmuskulatur).

Anzeichen: inkompletter Mundschluss, Mundatmung, vermehrter Speichelfluss, sensorische und motorische Defizite der Zunge (eingeschränkte Zungenbeweglichkeit), unphysiologische Zungenruhelage, Vorverlagerung der Zunge beim Sprechen bei insgesamt unausgeglichener Muskelbalance im Mund-, Gesichts- und Halsbereich.

Kommt es zusätzlich zu einem oder mehreren dieser Symptome einer orofazialen Dysfunktion (auch zum Zungenstoß gegen die Zähne), spricht man von einer Myofunktionellen Störung (MFS).

Mögliche Folgen einer nicht behandelten funktionellen orofazialen Störung sind eine gestörte Kau-, Beiß- und Schluckentwicklung, "verwaschene" und/ oder "feuchte" Aussprache sowie Artikulationsstörungen, die die Zischlaute wie "sch" und "s" betreffen (Schetismus/ Sigmatismus).

Der permanente Zungenstoß gegen die Zähne beim Schlucken kann zu Zahn- und Kieferfehlstellungen führen.

Phonologische Störung

Diese Störungen können die Anzahl der Laute und die Regel ihrer Kombination zu Wörtern betreffen. Das Kind hat das Lautsystem noch nicht erworben. Die Laute einer Sprache werden grundsätzlich beherrscht, aber ihr Einsatz im Wort, ihre Reihenfolge oder Verbindungsmöglichkeiten wurden noch nicht verstanden.

Poltern im Erwachsenenalter

Poltern zeigt sich in schnellem und/ oder unregelmäßig (irregulär) schwankendem Sprechtempo mit Auslassungen, Verschmelzungen und artikulatorischen Veränderungen von Lauten, Silben, Wörtern und Phrasen.
Das Sprechen wird dadurch schwer verständlich, phasenweise unverständlich, die Prosodie ist häufig auffällig. Zusätzlich bestehen sehr häufig Unflüssigkeiten in Form von Wiederholungen von Silben, Wörtern und Satzteilen, oder lockeren Lautwiederholungen. Auch Satzabbrüche, Wortabbrüche, Einschübe von Ersatzlauten oder -wörtern treten auf. Polternde Menschen leiden unter mangelnder Sprechkontrolle. Die meisten polternden Menschen wissen zwar, dass sie schnell und undeutlich sprechen, können ihr Sprechen in den spezifischen Sprechsituationen aber nicht kontrollieren. Es können dadurch Sprechängste auftreten, die teilweise zum Vermeiden von Sprechsituationen führen. Einem Teil der polternden Menschen gelingt es nicht, ihre Redeinhalte für den Gesprächspartner verständlich zu strukturieren. Dabei beziehen Äußerungen sich inhaltlich und grammatisch nur unzureichend aufeinander und der sogenannte "rote Faden" ist nicht oder nur schwer zu erkennen. Nebenthemen werden dabei ausführlich dargestellt, während es gleichzeitig nicht gelingt, das Hauptanliegen klar zu beschreiben.

Im Gespräch kann bei polternden Menschen eine Neigung zum Monologisieren bestehen, für den Gesprächspartner ist es dann schwer, zu Wort zu kommen. Manchen polternden Menschen fällt es zusätzlich schwer, eigene Äußerungen umzuformulieren, wenn der Gesprächspartner diese nicht verstanden hat. Die Symptome von Poltern sind individuell unterschiedlich gewichtet.

Poltern wird - wie auch Stottern - als Redeflussstörung bezeichnet.

Mehr Informationen für Betroffene, Angehörige und Interessierte finden Sie u.a. auf der Seite der Bundesvereinigung Stottern und Selbsthilfe e.V. (BVSS)

Poltern im Kindesalter

Poltern zeigt sich in schnellem und/ oder unregelmäßig (irregulär) schwankendem Sprechtempo mit Auslassungen, Verschmelzungen und artikulatorischen Veränderungen von Lauten, Silben, Wörtern und Phrasen. Das Sprechen wird dadurch schwer verständlich, phasenweise sogar unverständlich. Im Kindesalter ist Poltern sehr oft mit Störungen der Sprachentwicklung kombiniert. Zum Beispiel treten im Rahmen einer Sprachentwicklungsstörung bestehende Aussprachestörungen kombiniert mit der beschreibenen Poltersymptomatik auf und sind nicht immer klar voneinander abzugrenzen. Polternde Kinder zeigen häufig Unflüssigkeiten in Form von Wiederholungen von Silben, Wörtern und Satzteilen oder lockeren Lautwiederholungen, Satz- und/ oder Wortabbrüchen die das normale Maß überschreiten. Die bei polternden Erwachsenen teilweise auftretenden Schwierigkeiten in der Strukturierung sprachlicher Inhalte sind bei jüngeren polternden Kindern nicht eindeutig von einer Sprachentwicklungsstörung abzugrenzen. Poltern verstärkt sich oft zu Beginn der Pubertät.

Poltern wird - wie auch Stottern - als Redeflussstörung bezeichnet.

Mehr Informationen für Betroffene, Angehörige und Interessierte finden Sie u.a. auf der Seite der Bundesvereinigung Stottern und Selbsthilfe e.V. (BVSS)

Rhinophonie/ Rhinolalie (Näseln)

Rhinophonien sind Störungen des Stimmklangs und der Artikulation, die durch eine gestörte Nasenresonanz entstehen. Grundsätzlich wird zwischen offenem und geschlossenem Näseln unterschieden. Das offene Näseln wird daran erkennbar, dass zu viel Luft bei der Bildung von Lauten entweicht, während beim geschlossenen Näseln keine Luft über den Nasenraum entweicht, was insbesondere bei den Nasallauten ("m", "n", "ng") deutlich wird. Die Verständlichkeit der gesprochenen Sprache kann durch eine Rhinophonie bis zur Undeutlichkeit eingeschränkt sein.

Sprachentwicklungsstörung oder Sprachentwicklungsverzögerung

Sprahentwicklungsstörungen und -verzögerungen (SES) betreffen die Kommunikation, das Sprachverständnis, den Wortschatz und die Laut-, Wort- und Satzbildung.
Bei einer SES sind oft mehrere Bereiche gleichzeitig betroffen.
Ein zu geringer Wortschatz kann zur Erschwerung der Störung beitragen, weil der Erwerb grammatischer Regeln wie z.B. der Verbbeugung (ich singe, du singst, er singt...) voraussetzt, dass dem Kind genügend Wörter zum Trainieren der Regeln zu Verfügung stehen.
Die Störungen des Lauterwerbs, des Wortschatzes und der Grammatik können aber auch einzeln auftreten, ebenso wie die Störungen der Kommunikation.

Sprechapraxie

Die Sprechapraxie ist eine Störung der Planung von Sprechbewegungen. Sie zeigt sich im Bereich von Artikulation, Sprechmelodie und -rhythmus (Prosodie) sowie Sprechverhalten.

Bei der Artikulation sind lautliche Abweichungen bzw. Entstellungen von Lauten (z. B. einer übermäßig behauchten Aussprache des /t/) feststellbar, die zu einer unverständlicheren Aussprache führen. Teilweise kann es auch zu Ersetzungen oder Vertauschungen von Lauten sowie einer Mischung von Fehlerarten kommen. Die Artikulationsstörungen betreffen oft den Anfang von Wörtern bzw. Silben und sind vielfach mit Suchbewegungen der Artikulationsorgane (Lippen, Zunge, Kiefer…) verbunden. Bei Wiederholungen können die Fehler variieren und Selbstkorrekturen führen nicht zwangsläufig zu einer Verbesserung des Sprechens.
Die Sprechgeschwindigkeit ist häufig vermindert, Vokale werden gedehnt gesprochen und bei vielen Betroffenen kommt es zu einer silbischen Sprechweise. Es können auch Fehler bei der Wortbetonung auftreten, indem Silben falsch oder übermäßig deutlich betont werden.

Die Betroffenen zeigen auf Grund ihres unbeeinträchtigten Sprachverstehens eine große Unzufriedenheit mit ihrem eigenen Sprechen. Das anstrengende Sprechen führt zu mimischen Mitbewegungen, gepresster Stimme oder Anspannungen der Hals- und Gesichtsmuskulatur.

Störung der Schriftsprache (LRS)

International wird eine Lese-Rechtschreib-Störung (LRS) als "Entwicklungsstörung des Lesens und Schreibens" definiert. In Deutschland werden die Begrifflichkeiten LRS und Legasthenie (auch Entwicklungsdyslexie/ -dysgraphie) synonym verwendet. Die LRS ist eine Teilleistungsstörung, d.h. das Kind hat bei einer durchschnittlichen oder überdurchschnittlichen allgemeinen Begabung ausschließlich in den Bereichen Lesen und/ oder Schreiben große Schwierigkeiten. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) beschreibt die LRS als eine "Entwicklungsbeeinträchtigung schulischer Fertigkeiten". Wird im Kindesalter die LRS nicht festgestellt und behandelt, so kann sie bis ins Erwachsenenalter fortbestehen.

Wichtige Vorläuferfunktionen entwickeln sich bereits im Vorschulalter. Voraussetzung für die Entwicklung des Denkens, Lernens und Sprechens ist die Wahrnehmung, d.h. die Aufnahme von Reizen und deren Verarbeitung im Gehirn. LRS-Kinder zeigen überdurchschnittlich häufig Wahrnehmungsprobleme sowie Sprachentwicklungsauffälligkeiten. Unaufmerksamkeit, Clownerie, motorische Unruhe, Frustration, mangelndes Selbstvertrauen, Bauchschmerzen, Kopfschmerzen oder Übelkeit sind häufige Begleiterscheinungen. Diese Auffälligkeiten verändern sich trotz vermehrten häuslichen Übens nicht.

Stottern im Erwachsenenalter

Das Stottern bei Jugendlichen und Erwachsenen unterscheidet sich ganz wesentlich von  Unflüssigkeiten bei Kindern. Dies beruht im Wesentlichen auf der Tatsache, dass bei Jugendlichen und Erwachsenen bereits ein Bewusstsein für das Phänomen entstanden ist, das sich in aller Regel auf ihr gesamtes Sprech-, Kommunikations- und auch Sozialverhalten auswirkt. Beim Stottern handelt es sich um stockendes Sprechen mit Wiederholungen oder Blockaden in Wörtern.
Stottern wird - wie auch Poltern - als Redeflussstörung bezeichnet.

Mehr Informationen für Betroffene, Angehörige und Interessierte finden Sie u.a. auf der Seite der Bundesvereinigung Stottern und Selbsthilfe e.V. (BVSS)

Stottern im Kindesalter

Stottern äußert sich in Form von unfreiwilligen Wiederholungen (Ka-ka-ka-katze), Verlängerung von Lauten (Mmmmmmaus) und Blockierungen, bei denen die Sprechbewegung völlig "steckenbleibt" (-----apfel).
Stottern beginnt meist im Alter zwischen 2 und 5 Jahren. Kinder, die stottern, verlieren für Momente die Kontrolle über ihr Sprechen.

Die Wiederholungen, Verlängerungen und Blockierungen werden Kernsymptome genannte. Zu den Kernsymptomen entwickeln manche Kinder Begleitsymptome, welche auffälliger sein können als das ursprüngliche Stottern. Es gibt Begleitsymptome, um ein Stotter-Ereignis zu beenden wie Anstrengung (z.B. lauter werden, Mitbewegung des Kopfes oder der Arme, Grimassieren) und Begleitsymptome, um dem Stottern vorzubeugen, wie z.B. Flüstern, Sprechen mit Singsang, Umformulieren und Ersetzen gefürchteter Wörter, Einschieben von "ähm" und anderen Interjektionen, Abbruch der Äußerung, Vermeidung von Sprechsituationen. Solche Vorbeugungsstrategien sind ein sicherer Hinweis darauf, dass das Kind weitere Unterbrechungen im Redefluss erwartet und sich damit zu arrangieren versucht, auch wenn es möglicherweise den Begriff "Stottern" noch nicht kennt.

Für manche Kinder stellt das Stottern eine psychische Belastung dar, auf die sie emotional reagieren. Sie sind verärgert, dass sie nicht sprechen können, ziehen sich zurück oder beginnen sich dafür zu schämen. Dabei entspricht der Schweregrad der Stottersymptomatik nicht immer dem Leidensdruck eines Kindes - es gibt durchaus leicht stotternde Kinder, die sehr darunter leiden und schwer stotternde Kinder, bei denen man den Eindruck hat, es machen ihnen wenig aus.
Die Lebensqualität eines stotternden Kindes ist in vielen Fällen unbeeinträchtigt. Andere leiden unter dem Kontrollverlust über das Sprechen, dem Zeitverlust, den das Stottern mit sich bringt oder darunter, dass sie anders sind als andere Kinder. Dabei kann durchaus die gesamte Familie in Mitleidenschaft gezogen sein, wenn die Eltern ratlos sind und sich viele Sorgen wegen des Stotterns machen. Für Stottern typische Unflüssigkeiten können situationsabhängig und phasenweise schwanken. So sprechen viele stotternde Kinder während einer Untersuchung beim Kinderarzt flüssig. Auch symptomfreie Phasen sind möglich.

Stottern wird - wie auch Poltern - als Redeflussstörung bezeichnet.

Mehr Informationen für Betroffene, Angehörige und Interessierte finden Sie u.a. auf der Seite der Bundesvereinigung Stottern und Selbsthilfe e.V. (BVSS)